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Schufa-Revolution 2026: Was der neue Score für eure gemeinsame Kreditwürdigkeit bedeutet

Veröffentlicht am 08.01.2026
Paar bespricht gemeinsame Kreditwürdigkeit und Schufa Reform 2026 mit Finanzdiagrammen

Stell dir vor, du sitzt mit deinem Partner oder deiner Partnerin beim Finanzberater, ihr träumt vom Eigenheim – und plötzlich fällt das Wort „Schufa-Score“. Die Stimmung kippt. Schweißperlen. Nervöses Lachen. Aber ab 2026 könnte genau diese Situation deutlich entspannter ablaufen. Warum? Weil der Schufa Score 2026 eine echte Revolution durchmacht – und zwar eine, die ihr endlich verstehen könnt.

Ich weiß, „Schufa“ klingt für viele immer noch wie ein düsteres Mysterium aus einer Kafka-Erzählung. Aber die gute Nachricht: Die Zeit der Black Box ist vorbei. Die SCHUFA reduziert ihre Berechnungsgrundlage von über 250 undurchsichtigen Faktoren auf überschaubare 12 Hauptkriterien. Das ist, als würde man von einem 300-seitigen Steuerformular plötzlich auf eine übersichtliche Checkliste umsteigen. Endlich!

Warum jetzt? Der rechtliche Druck hinter der Reform

Lass mich kurz zurückspulen: Jahrelang wurde die Schufa kritisiert – von Verbraucherschützern, Medien und nicht zuletzt von uns allen, die wir uns gefragt haben: „Warum zum Teufel wurde mein Kreditantrag abgelehnt?“ Die Antwort blieb meist nebulös.

Doch im Dezember 2023 kam der Paukenschlag: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilte, dass vollautomatisierte Scoring-Verfahren, die erhebliche Auswirkungen auf Verbraucher haben, den Datenschutzregeln der DSGVO widersprechen können. Dieses Urteil war der eigentliche Brandbeschleuniger für die Reform. Die Schufa stand plötzlich unter enormem rechtlichem Druck, transparenter zu werden – und zwar schnell.

Die Transparenz-Offensive der Schufa ist also keine freiwillige Goodwill-Aktion, sondern eine direkte Reaktion auf massive rechtliche und politische Konsequenzen.

Ab Ende März 2026 wird ein neuer SCHUFA-Account freigeschaltet, in dem ihr – ja, wirklich ihr selbst – euren Score einsehen könnt. Nicht irgendwann nach wochenlangem Schriftverkehr, sondern direkt. Digital. Transparent.

Die 12 Kriterien: Eure neue Kredit-Checkliste

Jetzt wird’s konkret. Was genau zählt ab 2026 für euren Schufa Score? Die 12 entscheidenden Kriterien sind eure neue Roadmap zur Kreditwürdigkeit. Ich habe sie für euch detailliert aufbereitet:

1. Zahlungshistorie
Das ist der absolute Heavyweight unter den Kriterien. Hast du deine Rechnungen pünktlich bezahlt? Jede versäumte Zahlung hinterlässt Spuren – und zwar für Jahre. Eine einzige Mahnung kann euren Score um 50-100 Punkte drücken. Deshalb: Lastschriftverfahren einrichten, automatische Zahlungserinnerungen nutzen, niemals auf die leichte Schulter nehmen.

2. Kreditnutzung
Wie viel von deinem verfügbaren Kreditrahmen nutzt du tatsächlich? Das ist die sogenannte „Credit Utilization Ratio“. Faustregel: Unter 30% ist gut, unter 10% ist hervorragend. Wenn deine Kreditkarte ein Limit von 5.000 Euro hat und du regelmäßig 4.500 Euro ausstehen hast, wirkt das auf Kreditgeber wie ein riesiges Warnsignal – selbst wenn du alles pünktlich abbezahlst.

3. Anzahl der Kreditanfragen
Jede Kreditanfrage wird registriert. Zu viele Anfragen in kurzer Zeit? Das sieht aus wie Kreditnot. Red Flag für Banken. Deshalb: Konditionenanfragen (die den Score NICHT beeinflussen) statt Kreditanfragen nutzen. Fragt beim Bankberater explizit nach dem Unterschied!

4. Bestehende Kredite
Wie viele Kredite hast du aktuell laufen? Ein Immobilienkredit ist okay, aber wenn du gleichzeitig drei Ratenkredite, zwei Kreditkarten und noch einen Autokredit bedienst, wird’s kritisch. Die Schufa sieht das als „Überschuldungsrisiko“ – auch wenn du finanziell alles im Griff hast.

5. Alter der Kredithistorie
Je länger du bereits Verträge führst und bedienst, desto besser. Ein 20-jähriges Girokonto ist Gold wert. Deshalb: Alte Konten nicht vorschnell kündigen! Auch wenn die alte Kreditkarte Jahresgebühren kostet – der positive Effekt auf euren Score kann diese Kosten mehr als ausgleichen.

6. Art der Kredite (Kredit-Mix)
Ein Mix aus verschiedenen Kreditarten (Girokonto, Kreditkarte, Immobilienkredit, Ratenkredit) zeigt, dass du verantwortungsvoll mit unterschiedlichen Finanzprodukten umgehen kannst. Aber Vorsicht: Das bedeutet NICHT, dass ihr jetzt wild Kredite aufnehmen sollt. Es geht um einen natürlich gewachsenen, gut verwalteten Mix.

7. Negative Merkmale
Mahnbescheide, Inkassoverfahren, Insolvenzen – das sind die Killer-Faktoren. Ein einziger Inkasso-Eintrag kann euren Score in den Keller schicken und dort für drei Jahre festhalten. Selbst nach Begleichung bleibt der Eintrag noch eine Weile sichtbar.

8. Adresswechsel
Ja, wirklich! Häufige Umzüge können als Instabilität gewertet werden. Statistisch gesehen ziehen Menschen in finanziellen Schwierigkeiten häufiger um (Wohnungsverlust, Flucht vor Schulden). Das ist unfair für alle, die beruflich mobil sein müssen – aber es ist Realität im Scoring-System.

9. Anzahl der Konten und Kreditkarten
Zu viele aktive Konten bei verschiedenen Banken? Das kann negativ wirken. Die Logik: Wer zehn Kreditkarten hat, könnte theoretisch mit allen ins Minus gehen. Auch wenn das unrealistisch ist – statistisch gesehen erhöht sich das Risiko.

10. Kreditkarten-Nutzung (Zahlungsverhalten)
Nicht nur wie viel, sondern auch wie du sie nutzt: Bezahlst du alles sofort oder nutzt du Ratenzahlungen? Regelmäßige Ratenzahlungen können als Zeichen finanzieller Anspannung gewertet werden. Besser: Volle Beträge monatlich begleichen.

11. Bürgschaften
Hast du für jemanden gebürgt? Das wird berücksichtigt, weil du theoretisch haften könntest. Viele wissen das nicht: Eine Bürgschaft belastet euren Score genauso, als hättet ihr den Kredit selbst aufgenommen – auch wenn der andere alles brav bezahlt.

12. Zahlungsverhalten bei laufenden Verträgen
Handyverträge, Fitnessstudio-Mitgliedschaften, Streaming-Dienste – auch diese „kleinen“ Verträge zählen. Wer hier schlampig ist, gilt als unzuverlässig. Wichtig zu wissen: Die Schufa speichert traditionell KEINE Einkommensdaten. Dein Gehalt fließt nur dann in die Bewertung ein, wenn du der Schufa via Open Banking (digitaler Kontoeinblick) ausdrücklich Zugriff gewährst. Ansonsten bewertet die Schufa nur dein Zahlungsverhalten, während die Bank separat dein Einkommen und deine Vermögenswerte prüft.

Schnellübersicht: Die 12 Kriterien im Überblick

KriteriumEinfluss auf ScoreWas ihr tun könnt
ZahlungshistorieExtrem hoch (40%)Rechnungen per Lastschrift automatisieren, niemals Mahnungen riskieren
KreditnutzungSehr hoch (30%)Kreditkartenlimit nicht über 30% ausschöpfen, idealerweise unter 10%
KreditanfragenHoch (10%)Konditionenanfragen statt Kreditanfragen nutzen, max. 2-3 pro Jahr
Bestehende KrediteMittel-Hoch (10%)Unnötige Kredite vermeiden, bestehende konsolidieren
KreditalterMittel (5%)Alte Konten/Kreditkarten NICHT ohne Grund kündigen
Kredit-MixMittel (3%)Natürlicher Mix ist gut, aber nicht künstlich Kredite aufnehmen
Negative MerkmaleExtrem hochAbsolut vermeiden! Ein Inkasso-Eintrag = Score-Killer
AdresswechselNiedrig-MittelVor großem Kreditantrag möglichst keine Umzüge
Anzahl KontenNiedrig-MittelÜberflüssige Konten schließen, max. 2-3 aktive Bankverbindungen
Kreditkarten-NutzungMittelVolle Beträge monatlich zahlen statt Ratenzahlung
BürgschaftenMittel-HochNur in Ausnahmefällen bürgen, Risiko bewusst sein
VertragsverhaltenMittelAuch „kleine“ Verträge ernst nehmen, pünktlich zahlen

Basisscore vs. Branchenscore: Der Unterschied, der über euren Kredit entscheidet

Hier wird’s technisch – aber extrem wichtig. Die Schufa berechnet nicht nur einen Score, sondern mehrere. Den Unterschied zwischen Basisscore und Branchenscore zu verstehen, kann buchstäblich den Unterschied zwischen „Kredit bewilligt“ und „leider nein“ bedeuten.

Basisscore: Das ist dein allgemeiner Bonitätswert – sozusagen deine Durchschnittsnote. Er wird alle drei Monate aktualisiert und gibt eine generelle Einschätzung deiner Kreditwürdigkeit. Der Wert liegt zwischen 0 und 100, wobei über 97,5% als „sehr gut“ gilt.

Branchenscores: Hier wird’s spannend. Banken, Versicherungen, Telekommunikationsanbieter, Versandhändler – jede Branche hat ihren eigenen Score für dich. Warum? Weil das Risiko unterschiedlich bewertet wird.

Ein praktisches Beispiel:

  • Dein Basisscore liegt bei 95% (ziemlich gut)
  • Dein Banken-Score liegt bei 97% (hervorragend)
  • Dein Telekom-Score liegt bei 92% (okay)
  • Dein Versandhandel-Score liegt bei 88% (grenzwertig)

Ein Handyvertrag hat ein anderes Ausfallrisiko als ein 300.000-Euro-Immobilienkredit. Banken schauen genau auf den Banken-Branchenscore, nicht auf den Basisscore! Das wissen viele nicht.

Die Branchenscores im Detail:

  1. Banken-Score: Relevant für Kredite, Konten, Kreditkarten. Hier wird am strengsten bewertet. Ein Score unter 90% macht Immobilienfinanzierungen fast unmöglich.
  2. Versicherungs-Score: Für KFZ-Versicherungen, Haftpflicht etc. Hier sind die Anforderungen etwas lockerer.
  3. Telekommunikations-Score: Für Handyverträge, Internet-Anschlüsse. Mittlere Anforderungen.
  4. Versandhandel-Score: Für Ratenkäufe, „Kauf auf Rechnung“. Oft am großzügigsten bewertet.

Ab 2026 werden diese Scores vereinheitlicht und – das ist die gute Nachricht – nachvollziehbarer. Ihr könnt im neuen SCHUFA-Account sehen, wie verschiedene Branchen euch bewerten. Das ist revolutionär, denn bisher wart ihr im Blindflug.

Wie Paare ihren Score gemeinsam verbessern können

Okay, jetzt kommt der Teil, der für euch als Paar wirklich relevant ist. Angenommen, ihr wollt gemeinsam eine Immobilie finanzieren. Die Bank schaut sich beide Schufa-Scores an – und hier kommt der Hammer: Die Bank orientiert sich oft am schlechteren der beiden Scores.

Das ist brutal, aber es ist die Realität. Wenn einer von euch einen Score von 98% hat und der andere 87%, wird die Finanzierung möglicherweise auf Basis der 87% kalkuliert – oder schlimmer noch: abgelehnt.

Deshalb ist Teamarbeit gefragt. Hier sind konkrete Schritte, die ihr gemeinsam gehen könnt:

1. Macht den Score-Check zusammen (ab Ende März 2026)

Nutzt den neuen SCHUFA-Account (ja, der ist kostenlos in der Basis-Version!) und schaut euch eure Scores an. Beide. Ohne Ausreden. Transparenz ist der erste Schritt zur Verbesserung. Plant ein „Schufa-Date“ ein – klingt unsexy, kann aber zehntausende Euro sparen.

2. Korrigiert Fehler sofort

Die Schufa macht Fehler. Tatsächlich. Studien zeigen, dass bis zu 20% aller Schufa-Einträge fehlerhaft oder veraltet sind. Veraltete Einträge, falsche Adressen, längst abbezahlte Kredite, die noch als offen geführt werden – all das kommt vor. Checkt eure Daten und lasst Fehler umgehend korrigieren.

Pro-Tipp für Paare: Bevor ihr gemeinsam einen großen Kredit anfragt, nutzt die kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DS-GVO. Das ist euer gesetzliches Recht! So seht ihr schon Monate vorher, ob veraltete Einträge vorhanden sind, und habt Zeit, diese löschen zu lassen, bevor der Bankberater den Daumen senkt. Diese Datenkopie ist noch ausführlicher als der neue SCHUFA-Account und zeigt wirklich ALLES, was über euch gespeichert ist.

3. Plant Kreditanfragen strategisch

Wenn ihr wisst, dass in sechs Monaten die Immobilienfinanzierung ansteht, vermeidet unnötige Kreditanfragen. Jede Anfrage hinterlässt Spuren – für 12 Monate. Auch der neue Handyvertrag oder die Möbelfinanzierung sollten warten können. Zwei Anfragen im selben Monat? Das sieht aus wie Kreditnot.

4. Reduziert die Kreditkarten-Auslastung gezielt

Falls einer von euch die Kreditkarte regelmäßig bis zum Limit ausreizt: Stopp! Es gibt zwei Strategien:

  • Strategie A: Zahlt Beträge runter, bevor die Abrechnung kommt
  • Strategie B: Erhöht das Limit (ohne mehr auszugeben)

Das Verhältnis „genutzter Betrag zu verfügbarem Betrag“ ist entscheidend. Bei einem Limit von 5.000 € und 1.500 € Nutzung liegt ihr bei 30% – das ist die Obergrenze für einen guten Score. Idealerweise bleibt ihr unter 10%.

5. Vermeidet Dispokredite wie die Pest

Der Dispo ist der teuerste Freund, den ihr nie haben wolltet. Er kostet nicht nur absurde Zinsen (oft 10-14%), er schadet auch massiv eurem Score. Falls ihr regelmäßig im Minus seid: Ändert das sofort. Notfalls durch einen günstigeren Rahmenkredit (2-5% Zinsen statt 10-14%). Das spart nicht nur Geld, sondern verbessert auch euren Score.

6. Baut eine gemeinsame Finanzstrategie

Wer zahlt welche Rechnungen? Wer hat welche Kredite? Gibt es alte Leichen im Keller? Transparenz untereinander verhindert böse Überraschungen beim Bankgespräch. Erstellt eine gemeinsame Excel-Tabelle mit:

  • Alle Konten & Kreditkarten
  • Alle laufenden Kredite & Verträge
  • Alle Zahlungstermine
  • Aktuelle Schufa-Scores (ab März 2026)

Was den Score verbessert – und was ihm schadet

Lass mich das mal ganz praktisch runterbrechen, damit ihr wisst, worauf es wirklich ankommt:

Das hilft eurem Score massiv:

  • ✅ Pünktliche Zahlungen (immer, ausnahmslos!) → +40-50 Punkte
  • ✅ Geringe Kreditauslastung (unter 30%, ideal unter 10%) → +20-30 Punkte
  • ✅ Langjährige Vertragsbeziehungen (10+ Jahre) → +15-20 Punkte
  • ✅ Wenige, gut bediente Kredite (1-2 statt 5-6) → +10-15 Punkte
  • ✅ Stabile Wohnsituation (kein Umzug in den letzten 2 Jahren) → +5-10 Punkte
  • ✅ Lastschriftverfahren statt manueller Überweisung → +5 Punkte (weniger Fehlerrisiko)
  • ✅ Fehlerhafte Einträge korrigieren lassen → +30-100 Punkte (je nach Schwere)

Das schadet eurem Score massiv:

  • ❌ Versäumte Zahlungen, Mahnungen → -50 bis -100 Punkte
  • ❌ Inkassoverfahren → -100 bis -200 Punkte (Score-Killer!)
  • ❌ Zu viele Kreditanfragen (mehr als 3 pro Jahr) → -10 bis -30 Punkte pro zusätzliche Anfrage
  • ❌ Hohe Kreditauslastung (über 70%) → -30 bis -50 Punkte
  • ❌ Häufige Adresswechsel (mehr als 2 in 2 Jahren) → -10 bis -20 Punkte
  • ❌ Viele parallel laufende Kredite (5+) → -20 bis -40 Punkte
  • ❌ Dispo-Überziehung über längere Zeit → -15 bis -30 Punkte
  • ❌ Bürgschaften für andere → -10 bis -30 Punkte (Haftungsrisiko)
  • ❌ Kündigung alter Kreditkarten → -5 bis -15 Punkte (Kreditalter sinkt)

Die Praxis: Ein Beispiel aus dem echten Leben

Ich erzähle euch von Lisa und Markus (Namen geändert). Die beiden wollten 2025 eine Wohnung in München kaufen. Lage: perfekt. Preis: sportlich (680.000 Euro). Eigenkapital: vorhanden (140.000 Euro = 20,5%). Einkommen: solide (zusammen 8.200 Euro netto). Schufa? Katastrophe.

Das Problem: Markus hatte vor drei Jahren während eines Umzugs vergessen, eine GEZ-Rechnung (218 Euro!) zu bezahlen. Die Mahnung kam an die alte Adresse. Er hat davon nichts mitbekommen. Ergebnis: Inkassoverfahren, negativer Schufa-Eintrag. Sein Score: 83%. Tödlich für eine Immobilienfinanzierung.

Lisa hatte fünf (!) Kreditkarten – nicht aus Verschuldung, sondern weil sie jede Bonus-Meile mitnehmen wollte. Die Auslastung sah von außen chaotisch aus: Karte 1: 80%, Karte 2: 65%, Karte 3: 40%, Karte 4: 20%, Karte 5: 10%. Durchschnitt: 43%. Ihr Score: 89%. Grenzwertig.

Bank-Ergebnis: Ablehnung. Keine Diskussion. „Zu hohes Risiko.“

Was sie gemacht haben:

Mit den Änderungen ab 2026 hätten die beiden bessere Karten gehabt, aber sie haben nicht gewartet:

  1. Markus: Beweis erbracht, dass er die GEZ-Rechnung gezahlt hat (mit Kontoauszug). Schufa-Eintrag wurde gelöscht. Dauer: 6 Wochen. Neuer Score: 95%.
  2. Lisa: Kreditkarten von 5 auf 2 reduziert (die beiden mit den besten Konditionen behalten). Die verbleibenden Karten auf jeweils unter 10% Auslastung gebracht. Dauer: 3 Monate. Neuer Score: 96%.
  3. Gemeinsam: Keine weiteren Kreditanfragen für 6 Monate. Alle Rechnungen per Lastschrift. Kein Dispo. Keine Umzüge.

Ergebnis nach 6 Monaten: Kredit bewilligt. Sogar mit besseren Konditionen als ursprünglich kalkuliert (2,7% statt 3,1%). Das entspricht bei 540.000 Euro Darlehenssumme über 25 Jahre einer Ersparnis von rund 28.000 Euro. Nur wegen des besseren Scores.

Die Moral? Timing ist alles. Und Transparenz auch.

Der neue SCHUFA-Account: Was ihr wissen müsst

Ab Ende März 2026 ist es soweit. Der neue SCHUFA-Account geht live – und er ist ein Game Changer. Hier bekommt ihr:

  • Direkten Einblick in euren Basisscore und die Branchenscores (Banken, Versicherungen, Telekom, Versandhandel)
  • Die 12 Kriterien im Detail mit individuellen Erklärungen, wie sie euch betreffen
  • Hinweise, welche Faktoren euren Score positiv oder negativ beeinflussen
  • Tools zur Verbesserung (z.B. Erinnerungen für Zahlungstermine, Warnungen bei kritischen Änderungen)
  • Score-Simulator: Ihr könnt hypothetische Szenarien durchspielen („Was passiert mit meinem Score, wenn ich jetzt einen Autokredit aufnehme?“)

Die Basis-Version ist kostenlos. Es wird wahrscheinlich Premium-Features geben (z.B. monatliche Benachrichtigungen bei Änderungen, detaillierte Analysen, Score-Prognosen), aber für die meisten von euch reicht die kostenlose Version vollkommen.

Was sich wirklich ändert – und was Hype ist

Seid realistisch: Die Schufa wird nicht plötzlich zur Wohlfühl-Instanz. Sie bleibt eine Auskunftei, die Risiken bewertet. Aber: Die Transparenz ist ein riesiger Fortschritt. Ihr könnt endlich selbst nachvollziehen, warum euer Score ist, wie er ist – und gezielt daran arbeiten.

Ein Hype-Check:

BehauptungRealität
„Jeder bekommt jetzt einen besseren Score!“❌ Nein. Die Kriterien ändern sich, aber die Bewertungslogik bleibt realistisch. Wer vorher schlecht dastand, steht danach nicht automatisch besser da.
„Die 12 Kriterien sind leichter zu erfüllen!“⚠️ Kommt drauf an. Für manche wird’s einfacher (weil nachvollziehbarer), für andere nicht. Die Bewertung wird nicht grundsätzlich großzügiger.
„Ab 2026 ist die Schufa harmlos!“❌ Quatsch. Ein negativer Eintrag bleibt verheerend. Die Transparenz ändert nichts an der Tatsache, dass Mahnungen und Inkasso euren Score killen.
„Der neue Account ist ein Wundermittel!“⚠️ Teilweise. Er hilft euch zu verstehen und zu optimieren, aber er ändert nicht die Vergangenheit. Alte Einträge bleiben bis zu 3 Jahre bestehen.

Eure Vorbereitung: Die 3-Monats-Strategie vor dem Kreditantrag

Wenn ihr in absehbarer Zeit einen Kredit braucht (Immobilie, Auto, was auch immer), hier eure konkrete Roadmap:

Monat 1: Bestandsaufnahme & Fehlerkorrektur

Woche 1-2:

  • SCHUFA-Account anlegen (ab Ende März 2026) oder kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DS-GVO anfordern
  • Beide Scores checken (Basisscore + Branchenscores)
  • Alle Einträge akribisch prüfen

Woche 3-4:

  • Fehler identifizieren (falsche Adressen, veraltete Kredite, ungerechtfertigte Mahnungen)
  • Fehler korrigieren lassen (schriftlich mit Nachweisen bei der Schufa einreichen)
  • Alle offenen Rechnungen sofort begleichen (auch die 25 Euro von irgendeinem alten Vertrag!)

Monat 2: Optimierung & Konsolidierung

Woche 5-6:

  • Kreditkarten-Auslastung unter 30% bringen (idealerweise unter 10%)
  • Überflüssige Konten und Kreditkarten schließen (aber alte, gut geführte Konten behalten!)
  • Dispo-Kredit ausgleichen (notfalls durch günstigeren Rahmenkredit ersetzen)

Woche 7-8:

  • Alle Zahlungen auf Lastschrift umstellen
  • Keine neuen Kreditanfragen stellen (auch kein neuer Handyvertrag, kein Möbelkauf auf Raten!)
  • Regelmäßige Zahlungen doppelt absichern (Kalender-Erinnerungen, automatische Lastschriften)

Monat 3: Final Check & Vorbereitung

Woche 9-10:

  • Score erneut prüfen (sollte sich verbessert haben)
  • Finanzunterlagen vorbereiten (Gehaltsnachweise, Kontoauszüge, Eigenkapitalnachweis)
  • Gemeinsame Strategie mit Partner final abstimmen

Woche 11-12:

  • Score ein letztes Mal checken
  • Kreditgespräch bei 2-3 Banken vereinbaren (immer erst „Konditionenanfrage“, nie „Kreditanfrage“!)
  • Selbstbewusst auftreten: Ihr wisst jetzt, was ihr tut!

Diese drei Monate können den Unterschied zwischen 2,5% und 3,5% Zinsen bedeuten – bei einer 300.000-Euro-Finanzierung über 25 Jahre sind das über die Laufzeit mehr als 35.000 Euro Unterschied. Lasst euch das auf der Zunge zergehen.

Bonität prüfen: Kostenlos und richtig

Ihr habt das Recht, einmal jährlich eine kostenlose Schufa-Auskunft zu bekommen. Das ist gesetzlich verankert (Art. 15 DS-GVO). Mit dem neuen Account wird das noch einfacher – aber Achtung:

Drei verschiedene Schufa-Produkte:

  1. Kostenlose Datenkopie (Art. 15 DS-GVO): Zeigt ALLES, was über euch gespeichert ist. Sehr detailliert, aber etwas unübersichtlich. Ideal zur Fehlerkontrolle.
  2. Neuer SCHUFA-Account (kostenlos): Zeigt Scores und die wichtigsten Daten. Übersichtlicher, aber weniger detailliert. Ideal für regelmäßiges Monitoring.
  3. Schufa-Bonitätsauskunft (ca. 30 Euro): Offizielle Bescheinigung für Vermieter oder Arbeitgeber. Zeigt weniger Details (zum Schutz eurer Privatsphäre), dafür „sauber“ präsentiert.

Für eure eigenen Zwecke (Kredit-Vorbereitung, Fehlercheck) reichen die ersten beiden Optionen vollkommen. Zahlt kein Geld dafür!

FAQ: Eure brennenden Fragen

Was ändert sich beim Schufa-Score ab 2026?
Die Berechnung wird von über 250 Faktoren auf 12 Hauptkriterien reduziert. Außerdem werden Basisscore und Branchenscores vereinheitlicht und transparenter gemacht. Der größte Vorteil: Ihr könnt endlich nachvollziehen, was euren Score beeinflusst – und gezielt daran arbeiten. Das EuGH-Urteil vom Dezember 2023 zum automatisierten Scoring war der rechtliche Auslöser für diese Reform.

Ab wann ist der neue Score verfügbar?
Die Freischaltung des neuen SCHUFA-Accounts ist für Ende März 2026 geplant. Dann könnt ihr euren Score direkt online einsehen – kostenlos in der Basis-Version.

Wie können Paare ihren Score gemeinsam verbessern?
Teamwork ist der Schlüssel! Checkt beide Scores im neuen Account, korrigiert Fehler proaktiv, reduziert Kreditkarten-Auslastung unter 30% (ideal unter 10%), vermeidet unnötige Kreditanfragen, zahlt Dispokredite aus und baut eine gemeinsame Finanzstrategie auf. Die 12 Kriterien sind eure konkrete Checkliste. Nutzt die kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DS-GVO, um Monate vor dem Kreditantrag alle Fehler zu identifizieren und korrigieren zu lassen.

Ist der neue SCHUFA-Account kostenlos?
Ja, die Basis-Version ist kostenlos und bietet Einblick in die wichtigsten Daten, den Basisscore und die Branchenscores. Möglicherweise wird es kostenpflichtige Premium-Features geben (monatliche Updates, Score-Simulator, detaillierte Analysen), aber für die meisten Paare reicht die kostenlose Version vollkommen aus.

Speichert die Schufa mein Einkommen?
Nein! Die Schufa speichert traditionell keine Einkommensdaten oder Vermögenswerte. Dein Gehalt fließt nur dann in die Bewertung ein, wenn du der Schufa via Open Banking (digitaler Kontoeinblick) ausdrücklich Zugriff gewährst. Ansonsten bewertet die Schufa nur dein Zahlungsverhalten. Die Bank prüft dein Einkommen separat.

Wie lange bleiben negative Einträge gespeichert?
In der Regel 3 Jahre ab vollständiger Begleichung. Bei Insolvenzen bis zu 6 Jahre. Das ist gesetzlich geregelt und kann nicht verkürzt werden – außer der Eintrag ist fehlerhaft, dann könnt ihr ihn sofort löschen lassen.

Fazit: Nutzt die Chance – sie ist einmalig!

Die Schufa-Reform 2026 ist kein Wundermittel, aber sie ist ein echter Fortschritt. Endlich könnt ihr verstehen, was hinter diesem mysteriösen Score steckt – und vor allem: ihr könnt aktiv daran arbeiten. Das ist revolutionär.

Für euch als Paar bedeutet das: Mehr Kontrolle über eure gemeinsame finanzielle Zukunft. Ob Eigenheim, Auto oder andere größere Anschaffungen – ein guter Schufa-Score öffnet nicht nur Türen, er spart euch bares Geld. Wir reden hier von zehntausenden Euro über die Kreditlaufzeit.

Mein ehrlicher Rat? Wartet nicht bis zum Kreditgespräch. Nutzt den neuen SCHUFA-Account ab Ende März 2026, macht den gemeinsamen Score-Check, optimiert eure Werte anhand der 12 Kriterien und geht vorbereitet und selbstbewusst in Finanzierungsgespräche.

Die 12 Kriterien sind euer Spielplan – und zum ersten Mal in der Geschichte der Schufa wisst ihr endlich, nach welchen Regeln gespielt wird. Das ist eure Chance. Nutzt sie.

Pro-Tipp zum Schluss: Markiert euch den 31. März 2026 im Kalender. An diesem Tag macht ihr beide zusammen ein „Schufa-Date“. Laptop auf, Account öffnen, Scores checken. Klingt unsexy? Vielleicht. Aber es könnte die beste finanzielle Entscheidung sein, die ihr dieses Jahr trefft.

Viel Erfolg – und möge euer Score mit euch sein! 🚀.