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Schulden in der Ehe und bei Scheidung: Wer haftet wann und was zählt als eheprägende Schuld?

Veröffentlicht am 19.01.2026
Illustration eines besorgten Ehepaars im Gerichtssaal, das ĂĽber einem Stapel Rechnungen und Schulden brĂĽtet.

Wenn aus „Ja, ich will“ plötzlich „Wer zahlt das jetzt?“ wird

Stell dir vor: Du sitzt mit deinem Partner beim Finanzberater, und plötzlich fällt das Wort „Kreditvertrag“. Oder noch schlimmer – ihr steht kurz vor der Trennung, und die Frage nach den Schulden in der Ehe wird zum emotionalen Minenfeld. Wer haftet eigentlich fĂĽr was? Was passiert mit dem Kredit fĂĽrs Auto, das längst verschrottet ist? Und diese mysteriösen eheprägenden Schulden – was zur Hölle bedeutet das ĂĽberhaupt?

Keine Panik. Ich nehme dich heute an die Hand und fĂĽhre dich durch den Dschungel aus Paragrafen, Haftungsfragen und Zugewinnberechnungen. Versprochen: Am Ende weiĂźt du genau, wann du fĂĽr die Schulden deines Partners geradestehen musst – und wann du beruhigt „Nicht mein Problem“ sagen darfst.

Das Grundprinzip: Jeder haftet erst mal fĂĽr sich selbst

Fangen wir mit der guten Nachricht an: In Deutschland gilt grundsätzlich das Prinzip der Einzelhaftung. Das bedeutet: Nur weil du verheiratet bist, haftest du nicht automatisch für jeden Kredit, den dein Partner aufnimmt. Klingt fair, oder?

Der Hintergrund ist simpel: Im deutschen Recht sind Ehepartner eigenständige Rechtssubjekte. Jeder von euch kann Verträge abschließen, Schulden machen und Vermögen aufbauen – völlig unabhängig voneinander. Das Trauversprechen macht euch nicht zu einer einzigen wirtschaftlichen Einheit.

Aber – und jetzt kommt der Haken – es gibt natürlich Ausnahmen. Und genau diese Ausnahmen sorgen dafür, dass viele Paare beim Thema Schulden in der Ehe bei Trennung plötzlich böse überrascht werden.

Die gefürchtete Geschäfte des täglichen Lebens: § 1357 BGB

Hier wird’s interessant. Es gibt nämlich einen kleinen, aber fiesen Paragrafen im BĂĽrgerlichen Gesetzbuch: § 1357 BGB. Der besagt, dass Ehepartner sich gegenseitig bevollmächtigen, Geschäfte zur angemessenen Deckung des Lebensbedarfs der Familie zu tätigen – und dafĂĽr haften dann beide.

Was heiĂźt das konkret? Wenn dein Partner im Supermarkt Lebensmittel auf Rechnung kauft, beim Möbelhaus ein Sofa bestellt oder den Handwerker beauftragt, die kaputte Heizung zu reparieren, dann haftet ihr theoretisch beide dafĂĽr. Diese Haftung nennt man „gesamtschuldnerische Haftung“ – ein sperriger Begriff fĂĽr: Der Gläubiger kann sich aussuchen, wen von euch beiden er zur Kasse bittet.

Aber keine Sorge: Nicht jede Ausgabe fällt darunter. Der Sportwagen fĂĽr 80.000 Euro? Definitiv nicht „angemessen“ fĂĽr den Lebensbedarf. Die neue Waschmaschine fĂĽr 600 Euro? Schon eher. Die Grenze ist flieĂźend – und genau deshalb landen solche Fragen manchmal vor Gericht.

Pro-Tipp: Wenn dein Partner zu großzügigen Spontankäufen neigt, kannst du dieser gesetzlichen Vertretungsmacht widersprechen. Das musst du aber dem jeweiligen Gläubiger mitteilen. Einfach so heimlich funktioniert das nicht.

Was sind eigentlich eheprägende Schulden?

Jetzt kommen wir zum Herzstück des Artikels: den eheprägenden Schulden. Der Begriff klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz logisch, wenn man ihn einmal verstanden hat.

Kleine Begriffsklärung fĂĽr Juristen und Interessierte: Der Ausdruck „eheprägend“ stammt ursprĂĽnglich aus dem Unterhaltsrecht, wo er sich auf die während der Ehe etablierten Lebensverhältnisse bezieht. Im Zugewinnausgleich spricht die juristische Fachsprache technisch korrekter von Passiva im Endvermögen. FĂĽr uns Normalsterbliche ist aber die Frage entscheidend: Haben diese Schulden unseren gemeinsamen Lebensstandard während der Ehe geprägt und beeinflusst? Wenn ja, dann spielen sie bei der Scheidung eine Rolle.

Eheprägende Verbindlichkeiten sind also Schulden, die während der Ehe entstanden sind und die den gemeinsamen Lebensstandard beeinflusst haben – egal, wer von euch beiden sie formal aufgenommen hat. Sie zählen bei der Scheidung in die Zugewinnberechnung mit rein.

Ein klassisches Beispiel: Ihr nehmt gemeinsam einen Kredit auf, um die KĂĽche zu renovieren. Oder dein Partner schlieĂźt einen Ratenkredit ab, um das Familienauto zu finanzieren. Oder ihr lasst das Haus auf Pump sanieren. All das sind Schulden, die euer gemeinsames Leben geprägt haben – daher „eheprägend“.

Der Unterschied zu nicht-eheprägenden Schulden

Nicht jede Schuld ist eheprägend. Wenn dein Partner vor der Hochzeit einen Studienkredit aufgenommen hat oder seine alte Wohnung renovieren ließ, dann gehört das zu seinen persönlichen Altlasten. Diese Schulden vor der Ehe haben mit eurer gemeinsamen Zeit nichts zu tun.

Auch Schulden, die während der Ehe entstehen, aber nur einem von euch persönlich nutzen, können nicht-eheprägend sein. Beispiel: Dein Partner kauft sich heimlich ein teures Motorrad, ohne dass du davon weißt oder zustimmst. Das ist sein Privatvergnügen – nicht eure gemeinsame Anschaffung.

Die Zugewinngemeinschaft: Das musst du wissen

Die meisten Ehepaare in Deutschland leben in der sogenannten Zugewinngemeinschaft – auch wenn sie es oft gar nicht wissen. Das ist der gesetzliche Standard-Güterstand, der automatisch gilt, wenn ihr keinen Ehevertrag abgeschlossen habt.

Wichtig zu verstehen: Zugewinngemeinschaft bedeutet NICHT, dass ihr euer Vermögen teilt. Während der Ehe gehört jedem von euch sein eigenes Vermögen und – genau – seine eigenen Schulden. Es gibt keine gemeinsame Kasse, kein automatisches Miteigentum.

Aber: Bei einer Scheidung wird der sogenannte Zugewinn ausgeglichen. Das heißt, man schaut sich an, was jeder von euch während der Ehe an Vermögen hinzugewonnen hat. Und genau hier kommen die eheprägenden Schulden ins Spiel.

So funktioniert die Zugewinnberechnung – ein Beispiel

Lass mich das mit einer kleinen Tabelle verdeutlichen:

PhasePartner APartner B
Anfangsvermögen (bei Heirat)10.000 €5.000 €
Endvermögen (bei Scheidung)50.000 €20.000 €
Zugewinn40.000 €15.000 €

Partner A hat während der Ehe 40.000 € Zugewinn gemacht, Partner B nur 15.000 €. Die Differenz beträgt 25.000 €. Davon bekommt Partner B die Hälfte als Zugewinnausgleich – also 12.500 €.

Jetzt kommen die Schulden ins Spiel: Wenn Partner A während der Ehe einen Kredit über 30.000 € für den gemeinsamen Hausbau aufgenommen hat (also eheprägende Schulden), dann reduziert das sein Endvermögen. Statt 50.000 € hat er faktisch nur noch 20.000 € – sein Zugewinn schrumpft auf 10.000 €.

Plötzlich sieht die Rechnung ganz anders aus. Partner B muss möglicherweise sogar zahlen, weil sein Zugewinn nun höher ist.

Gemeinsame Schulden bei Trennung: Wer zahlt wann?

Jetzt wird’s emotional. Ihr habt euch getrennt, und auf dem Tisch liegt ein Berg unbezahlter Rechnungen. Was nun?

Wenn ihr beide unterschrieben habt

Habt ihr einen Kredit gemeinsam aufgenommen – also beide unterschrieben –, dann seid ihr gesamtschuldnerisch haftbar. Das bedeutet: Die Bank kann sich an jeden von euch wenden und die volle Summe verlangen. Ob ihr euch intern auf eine 50:50-Teilung geeinigt habt, interessiert die Bank herzlich wenig.

Mein Tipp: Versucht, eine schriftliche Vereinbarung zu treffen, wer welchen Anteil zahlt. Das schafft Klarheit und kann später als Beweismittel dienen, falls es zum Streit kommt.

Wenn nur einer unterschrieben hat

Hier gilt: Wer unterschrieben hat, haftet. Punkt. Auch wenn der Kredit fĂĽr die gemeinsame Wohnung aufgenommen wurde, haftet nur der Vertragspartner gegenĂĽber der Bank.

Aber Achtung: Bei der Scheidung können eheprägende Schulden trotzdem in die Zugewinnberechnung einfließen – selbst wenn nur einer von euch formal der Schuldner ist. Das kann dazu führen, dass der andere Partner indirekt über den Zugewinnausgleich einen Teil der Last mitträgt.

Gütertrennung: Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit?

Vielleicht denkst du jetzt: „Mensch, das mit der Zugewinngemeinschaft klingt kompliziert. Kann ich nicht einfach eine GĂĽtertrennung vereinbaren?“

Klar kannst du. Mit einem Ehevertrag könnt ihr die Gütertrennung wählen. Das bedeutet: Bei einer Scheidung wird überhaupt kein Zugewinn ausgeglichen. Jeder nimmt mit, was er hat – und jeder behält seine Schulden für sich.

Klingt erstmal verlockend, oder? Aber Vorsicht: Gütertrennung schützt dich NICHT vor gemeinsamen Schulden. Wenn ihr beide einen Kreditvertrag unterschrieben habt, haftet ihr weiterhin gesamtschuldnerisch. Die Gütertrennung betrifft nur die Vermögensauseinandersetzung bei der Scheidung, nicht die Haftung gegenüber Dritten.

Wann macht Gütertrennung Sinn? Zum Beispiel, wenn einer von euch selbstständig ist und höhere Haftungsrisiken hat. Oder wenn einer deutlich mehr Vermögen mit in die Ehe bringt und das schützen möchte.

Schulden des Ehepartners: Wie schĂĽtze ich mich?

Du ahnst, dass dein Partner nicht gerade ein Finanzgenie ist? Oder ihr habt schon einmal ĂĽber die hohen Kreditkartenschulden gestritten? Dann solltest du diese SchutzmaĂźnahmen kennen:

  1. Keine gemeinsamen Kredite unterschreiben. So simpel, so wirksam. Wenn du nicht mit draufstehst, haftest du auch nicht.
  2. Kontomodell überdenken. Ein gemeinsames Konto für Haushaltsgeld ist okay – aber behalte dein eigenes Konto für dein Einkommen.
  3. Ehevertrag mit GĂĽtertrennung. Das schĂĽtzt dich zumindest bei der Scheidung vor einem ungĂĽnstigen Zugewinnausgleich.
  4. Widersprechen nach § 1357 BGB. Wie oben erwähnt: Du kannst der gesetzlichen Vertretungsmacht widersprechen und musst das dem Gläubiger mitteilen.
  5. Regelmäßige Finanzgespräche. Klingt unsexy, ist aber Gold wert. Wenn ihr offen über Geld redet, könnt ihr Probleme frühzeitig erkennen.

Was passiert mit dem Kredit bei Scheidung?

Die Frage aller Fragen: Ihr habt gemeinsam einen Kredit fĂĽr das Haus aufgenommen, jetzt lasst ihr euch scheiden. Was nun?

Szenario 1: Einer ĂĽbernimmt das Haus

Wenn einer von euch das Haus behalten möchte, muss er den anderen auszahlen – und sollte idealerweise auch den Kredit allein weiterzahlen. Aber: Die Bank muss zustimmen, den anderen Partner aus der Haftung zu entlassen. Sonst bleibt die gesamtschuldnerische Haftung bestehen, auch wenn ihr euch intern anders geeinigt habt.

Szenario 2: Verkauf der Immobilie

Ihr verkauft das Haus und tilgt damit den Kredit. Was übrig bleibt, wird geteilt. Was fehlt – nun ja, müsst ihr irgendwie aufbringen. Auch hier: klare schriftliche Vereinbarungen sind Pflicht.

Szenario 3: Der Worst Case

Einer zahlt nicht mehr, obwohl er müsste. Die Bank pfändet. Der andere Partner zahlt alles allein. Dann bleibt nur der Gang zum Anwalt und eine Regressklage. Teuer, nervenaufreibend, zeitraubend.

Mein Rat: Versucht, euch im Guten zu einigen. Schulden bei Scheidung sind schon kompliziert genug – macht es euch nicht noch schwerer.

Schulden und Vermögen im Ehevertrag regeln

Ihr seid noch nicht verheiratet oder gerade frisch verheiratet? Perfekter Zeitpunkt für einen Ehevertrag. Ja, ich weiß – klingt unromantisch. Aber es ist wie eine Versicherung: Man hofft, sie nie zu brauchen, aber wenn doch, ist man froh, sie zu haben.

In einem Ehevertrag könnt ihr regeln:

  • GĂĽterstand: Zugewinngemeinschaft, GĂĽtertrennung oder modifizierte Zugewinngemeinschaft
  • Zugewinnausgleich: Wie werden Schulden und Vermögen im Scheidungsfall behandelt?
  • Besondere Vereinbarungen: Z. B. dass bestimmte Schulden nicht in den Zugewinn einflieĂźen

Ein guter Anwalt hilft euch, einen fairen Vertrag aufzusetzen, der beide Partner schĂĽtzt.

Die wichtigsten Learnings auf einen Blick

Lass uns das Ganze nochmal zusammenfassen, damit du es auch in drei Monaten noch auf dem Schirm hast:

  • Du haftest nicht automatisch fĂĽr die Schulden deines Partners – auĂźer ihr habt beide unterschrieben oder es fallen unter § 1357 BGB (Geschäfte des täglichen Lebens).
  • Eheprägende Schulden sind Verbindlichkeiten, die während der Ehe entstanden sind und euren gemeinsamen Lebensstandard beeinflusst haben. Sie zählen bei der Zugewinnberechnung mit.
  • Bei gemeinsamen Schulden seid ihr gesamtschuldnerisch haftbar – die Bank kann sich an jeden von euch wenden.
  • GĂĽtertrennung schĂĽtzt NICHT vor gemeinsamen Schulden, sondern regelt nur den Vermögensausgleich bei Scheidung.
  • Schulden vor der Ehe haben in der Regel keinen Einfluss auf den Zugewinnausgleich.
  • Ein Ehevertrag kann sinnvoll sein, um klare finanzielle Verhältnisse zu schaffen – besonders bei Selbstständigkeit oder groĂźen Vermögensunterschieden.

Fazit: Klarheit schafft Sicherheit

Schulden in der Ehe sind kein Tabuthema – sie sind Realität. Ob Immobilienkredit, Autofinanzierung oder die unerwartete Zahnarztrechnung: Geld prägt jede Beziehung. Und je klarer ihr die rechtliche Lage kennt, desto entspannter könnt ihr damit umgehen.

Mein Appell an dich: Redet offen über Geld. Macht euch bewusst, wer für was haftet. Und scheut euch nicht, bei Unsicherheiten professionelle Hilfe zu holen – sei es beim Anwalt oder Finanzberater. Denn am Ende geht es nicht nur um Paragrafen und Zahlen, sondern um euer gemeinsames Leben und eure Zukunft.

Und jetzt zu dir: Hast du schon mal mit deinem Partner über eure finanzielle Situation und mögliche Schulden gesprochen? Wenn nicht, nimm diesen Artikel als Anstoß. Ein ehrliches Gespräch heute kann euch morgen viel Ärger ersparen. Versprochen.


Rechtlicher Hinweis:

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Jede Ehe- und Scheidungssituation ist individuell verschieden. Für verbindliche rechtliche Auskünfte zu deiner persönlichen Situation wende dich bitte an einen Fachanwalt für Familienrecht oder eine entsprechende Beratungsstelle. Die Informationen in diesem Artikel ersetzen keine individuelle rechtliche oder finanzielle Beratung.