Autor: Tino Dagba · Veroeffentlicht: 2026-05-07 · Letzte Pruefung: Mai 2026
Alle Angaben recherchiert anhand von Anbieter-Preisverzeichnissen, Bundesbank-Daten und aktuellen Gesetzestexten (Stand Mai 2026). Keine Anlage- oder Steuerberatung.
Key Takeaway: Der beste Neobroker 2026 hängt nicht an einem Prozentpunkt Zins, sondern an deinem Hauptziel: Für günstige ETF-Sparpläne sind Trade Republic und Scalable Capital stark, für Sparkassen-Nähe passt S Broker besser, für Banking-Funktionen ist bunq interessanter. Wichtig sind Gebühren, Handelsplatz, Einlagensicherung und Steuern zusammen.

Neobroker Vergleich 2026: erst Ziel klären, dann App wählen
Neobroker klingen oft gleich: kostenlose Depotführung, ETF-Sparpläne ab 1 Euro, ein paar Prozent Zinsen aufs Verrechnungskonto und eine App, die nach drei Minuten verstanden ist. Genau deshalb wählen viele zu schnell.
Der bessere Weg: Entscheide zuerst, was du wirklich brauchst. Willst du monatlich einen ETF besparen? Dann zählen Sparplangebühren, ETF-Auswahl und Ausführung. Willst du gelegentlich Aktien kaufen? Dann zählen Orderkosten, Handelsplatz und Spreads. Willst du Girokonto, Unterkonten, Karte und Reisen? Dann ist vielleicht gar kein reiner Broker, sondern eine Neobank wie bunq der passendere Baustein.
Dieser Vergleich ordnet Trade Republic, Scalable Capital, bunq und S Broker nach Nutzertypen ein. Nicht als Werbe-Ranking, sondern als praktische Entscheidungshilfe für deutsche Anleger.
Die Kurzentscheidung: welcher Anbieter passt zu wem?
| Anbieter | Stark für | Wichtige Kosten/Zinsen | Aufpassen bei |
|---|---|---|---|
| Trade Republic | Einfaches Investieren, ETF-Sparpläne, Karte, kleine Beträge | 0 Euro Depot, Sparpläne ohne Orderprovision, 1 Euro Abwicklungskostenpauschale bei Einzelkäufen, 2,00 % p.a. Cash-Zins bis 50.000 Euro laut Preisübersicht | Ein Handelsplatz-Setup, Spreads, Cash-Limit beim Zins |
| Scalable Capital | ETF-Sparpläne, mehr Handelsplatzwahl, Vieltrader im PRIME+-Modell | FREE ohne Monatsgebühr, 0,99 Euro je Trade ab 250 Euro; PRIME+ 4,99 Euro monatlich; 2,50 % p.a. Overnight-Konto; Xetra 3,99 Euro plus 0,01 % Handelsplatzgebühr | Tarifmodell verstehen, Xetra-Kosten, Zins gilt auf Overnight-Konto/Bedingungen |
| bunq | Mobile Banking, Unterkonten, Reisen, Haushaltsorganisation | Kontomodell abhängig vom Abo; Details stehen in der bunq Preisliste | Kein klassischer Depot-Fokus; Banking-Kosten wichtiger als Orderkosten |
| S Broker | Sparkassen-Umfeld, klassischer Broker, Beratung/Nähe zur Hausbank | Konditionen hängen vom Modell ab; eher klassischer Broker als Billig-App | Für reine Sparplan-Minimalkosten oft nicht der günstigste Weg |
Merksatz: Trade Republic und Scalable Capital konkurrieren direkt im Depot. bunq konkurriert eher mit Girokonto-Apps. S Broker ist die konservativere Depot-Alternative für Sparkassen-Nutzer.
Trade Republic: stark, wenn du es maximal einfach willst
Trade Republic ist 2026 für viele Einsteiger die naheliegende Wahl: App öffnen, Sparplan einrichten, fertig. Laut Preisübersicht sind Sparpläne für Aktien, ETFs und Crypto ohne Orderprovision ausführbar; bei Einzelkäufen fällt eine Abwicklungskostenpauschale von 1 Euro an. Zusätzlich bewirbt Trade Republic 2,00 % p.a. Zinsen auf Cash bis 50.000 Euro, täglich berechnet und monatlich ausgezahlt.
Das ist stark, wenn du einen simplen ETF-Sparplan willst und nicht jede Order über fünf Handelsplätze optimierst. Der Nachteil ist genau diese Einfachheit: Du bekommst ein sehr schlankes Setup. Wer bewusst Xetra, Gettex, Börse Frankfurt oder bestimmte Ordertypen vergleichen will, stößt schneller an Grenzen.
Für Anfänger ist Trade Republic deshalb oft gut. Für Perfektionisten ist es manchmal zu eng.
Scalable Capital: stark für ETF-Sparer und aktive Nutzer
Scalable Capital wirkt auf den ersten Blick ähnlich, ist aber flexibler. Im FREE-Modell kostet die Depotführung 0 Euro, Trades ab 250 Euro kosten laut Scalable 0,99 Euro über European Investor Exchange und gettex; ETF-Sparpläne sind ab 1 Euro Sparrate gebührenfrei ausführbar. Im PRIME+-Modell kostet der Broker 4,99 Euro pro Monat und bietet eine Trading-Flatrate für Trades ab 250 Euro.
Der Unterschied wird wichtig, sobald du häufiger kaufst oder Wert auf Handelsplätze legst. Xetra kostet bei Scalable 3,99 Euro je Trade plus 0,01 % Handelsplatzgebühr, mindestens 1,50 Euro. Das ist nicht dramatisch, aber eben nicht „alles kostenlos“.
Zusätzlich bietet Scalable ein Overnight-Konto mit 2,50 % p.a. auf Cash. Für Anleger, die Cash, ETF-Sparplan und gelegentliche Einzelorders zusammen führen wollen, ist das attraktiv. Wer nur einmal im Monat einen MSCI-World-Sparplan ausführt, muss aber nicht automatisch PRIME+ buchen.
bunq: nicht der beste Broker, aber spannend fürs Banking
bunq ist in diesem Vergleich der Sonderfall. Viele suchen nach „Neobanken Vergleich 2026“, meinen aber eigentlich zwei unterschiedliche Dinge: eine moderne Banking-App oder einen günstigen Broker. bunq gehört klar stärker in die Banking-Schublade.
Das kann trotzdem sinnvoll sein. Wenn du Gehalt, Haushaltsbudget, Reiseausgaben, Unterkonten und Karten organisieren willst, ist bunq näher an deinem Alltag als ein Depotanbieter. Wenn du dagegen möglichst billig ETFs besparen möchtest, solltest du bunq nicht gegen Trade Republic oder Scalable Capital messen, sondern gegen C24, N26, Revolut oder klassische Girokonten.
Die Frage lautet also nicht: „Ist bunq besser als Scalable?“ Sondern: „Brauche ich zuerst ein gutes Konto oder zuerst ein gutes Depot?“ Das sind zwei verschiedene Baustellen. Wer beides vermischt, kauft am Ende Features, die er gar nicht nutzt.
S Broker: für Sparkassen-Nutzer, die klassischer bleiben wollen
S Broker ist kein typischer Neobroker im App-Hype-Sinn. Genau das kann ein Vorteil sein. Wer ohnehin im Sparkassen-Umfeld unterwegs ist, Wert auf bekannte Strukturen legt und nicht ausschließlich nach der niedrigsten Ein-Euro-Order sucht, findet hier eine konservativere Depotlösung.
Der Nachteil: Im direkten Gebührengefühl gegen Trade Republic oder Scalable Capital wirkt ein klassischer Broker oft schwerfälliger. Für reine Kostenmaximierer ist das selten die erste Wahl. Für Anleger, die weniger App-Spielerei und mehr Bankumfeld wollen, kann es trotzdem passen.
Gebühren: die 0-Euro-Falle im Neobroker Vergleich
„Kostenlos“ heißt bei Brokern fast nie „kostenfrei in jeder Situation“. Es heißt meist: keine Depotgebühr, kostenlose Sparplanausführung oder keine Orderprovision. Trotzdem können Spreads, Handelsplatzentgelte, Produktkosten, Fremdkosten, Währungsumrechnung oder Abo-Gebühren anfallen.
- Sparplan: Bei Trade Republic und Scalable Capital sind ETF-Sparpläne sehr günstig. Das ist für langfristige Anleger wichtiger als eine einzelne Aktionsprämie.
- Einzelorder: Trade Republic arbeitet mit 1 Euro Abwicklungskostenpauschale. Scalable kostet im FREE-Modell meist 0,99 Euro je Trade ab 250 Euro, Xetra ist teurer.
- Monatsabo: PRIME+ bei Scalable kann sich lohnen, wenn du wirklich häufiger handelst. Für einen Sparplan im Monat ist es meistens unnötig.
- Spreads: Gerade außerhalb liquider Handelszeiten können Spreads wichtiger sein als die sichtbare Ordergebühr.
Die beste Gebührenregel für Privatanleger: Sparplan während liquider Handelszeiten, wenige unnötige Einzelorders, keine Jagd nach jeder Mini-Aktion.
Zinsen: nett, aber nicht das Hauptargument
2026 werben viele Anbieter mit Cash-Zinsen. Das ist angenehm, aber du solltest es richtig einordnen. Der wichtige EZB-Einlagezins liegt seit Juni 2025 bei 2,00 %. Deshalb sind Anbieterzinsen um 2,00 % bis 2,50 % plausibel, aber sie können sich ändern.
| Anbieter/Referenz | Beworbener Zinssatz | Kommentar |
|---|---|---|
| Scalable Capital Overnight-Konto | 2,50 % p.a. | Laut Kostenübersicht auf Cash im Overnight-Konto; Bedingungen prüfen. |
| Trade Republic Cash | 2,00 % p.a. | Laut Preisübersicht bis 50.000 Euro; tägliche Berechnung, monatliche Auszahlung. |
| EZB-Einlagezins | 2,00 % | Orientierungsgröße für kurzfristige Sparzinsen im Euroraum. |
Zinsen sind ein Bonus, kein Ersatz für eine Anlagestrategie. Wenn du 20.000 Euro dauerhaft als Notgroschen hältst, zählt Tagesgeldqualität. Wenn du Vermögen aufbauen willst, zählt dein ETF-Sparplan über Jahre deutlich mehr.
Sicherheit: Einlagensicherung ist nicht dasselbe wie Wertpapier-Schutz
Hier passieren die meisten Denkfehler. Cash auf dem Konto und Wertpapiere im Depot sind rechtlich nicht dasselbe.
- Bankguthaben: Die gesetzliche Einlagensicherung schützt in der EU grundsätzlich bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. In besonderen Fällen können vorübergehend höhere Grenzen gelten.
- Wertpapiere: Aktien und ETFs im Depot gehören in der Regel nicht zur Bankmasse, sondern werden verwahrt. Sie sind nicht einfach „weg“, nur weil ein Broker Probleme bekommt.
- Anlegerentschädigung: Laut BaFin greift sie für bestimmte Forderungen aus Wertpapiergeschäften zu 90 %, maximal 20.000 Euro. Das ist nicht dasselbe wie eine Garantie gegen Kursverluste.
Wichtig: Kein Sicherungssystem schützt dich vor schlechten Anlageentscheidungen. Wenn dein ETF fällt, ist das Marktrisiko. Wenn ein Anbieter insolvent wird, ist das Verwahr- und Abwicklungsrisiko. Zwei verschiedene Risiken, zwei verschiedene Antworten.
Steuern: Der Broker nimmt dir nicht alles Denken ab
Deutsche Broker führen Kapitalertragsteuer meist automatisch ab. Grundlage sind vor allem die Regeln zur Abgeltungsteuer nach § 32d EStG und zum Steuerabzug nach § 43a EStG. Kapitalerträge aus Zinsen, Dividenden und realisierten Kursgewinnen fallen grundsätzlich unter § 20 EStG.
Trotzdem solltest du drei Dinge selbst prüfen:
- Freistellungsauftrag: Stelle ihn passend ein, sonst zahlst du zu früh Steuern und holst sie erst über die Steuererklärung zurück.
- Ausländische Quellensteuer: Bei Dividenden kann es komplizierter werden, vor allem außerhalb von Standard-ETFs.
- Mehrere Broker: Wenn du Trade Republic, Scalable und eine Hausbank parallel nutzt, brauchst du Überblick über Verlusttöpfe und Freistellungsaufträge.
Der bequemste Broker ist nicht automatisch der steuerlich sauberste Workflow, wenn du fünf Depots parallel führst.
Meine Empfehlung nach Nutzertyp
Für ETF-Anfänger
Wähle Trade Republic oder Scalable Capital. Beide sind für kleine ETF-Sparpläne geeignet. Entscheide nach App-Gefühl, ETF-Auswahl und ob du lieber ein sehr simples oder etwas flexibleres Modell willst.
Für aktive Käufer
Scalable Capital ist oft interessanter, weil du Tarif und Handelsplatz bewusster steuern kannst. Prüfe aber, ob PRIME+ wirklich günstiger ist als wenige Einzelorders im FREE-Modell.
Für Banking-Alltag
bunq ist eher Konto- als Depotentscheidung. Nimm bunq, wenn du Unterkonten, Karten, Reise- und Budgetfunktionen suchst. Nimm es nicht, nur weil du „irgendwas Modernes mit Finanzen“ willst.
Für Sparkassen-Nähe
S Broker passt, wenn du lieber im vertrauten Bankumfeld bleibst und nicht nur nach der billigsten Order suchst. Für reine Gebührenoptimierung sind App-Broker meist härter im Wettbewerb.
Checkliste vor der Kontoeröffnung
- Will ich ein Depot, ein Girokonto oder beides?
- Wie viele Einzelorders mache ich realistisch pro Jahr?
- Bespare ich ETFs monatlich oder handle ich spontan?
- Wie wichtig sind mir Xetra und Handelsplatzauswahl?
- Wie hoch ist mein Cash-Bestand und gilt der Zins dafür komplett?
- Wo liegt mein Geld: Bankeinlage, Geldmarktfonds oder Verrechnungskonto?
- Kann ich Freistellungsauftrag und Verlusttöpfe sauber verwalten?
Fazit: Der beste Neobroker 2026 ist der, den du nicht ständig wechseln musst
Wenn du nur einen ETF-Sparplan willst, mach es nicht komplizierter als nötig: Trade Republic oder Scalable Capital reichen vielen Anlegern völlig aus. Wenn du mehr Handelsplatzwahl und Tarifoptionen willst, spricht mehr für Scalable. Wenn du Banking-Funktionen suchst, vergleiche bunq nicht mit Brokern, sondern mit Girokonto-Apps. Und wenn du bewusst im Sparkassen-Ökosystem bleiben willst, ist S Broker die klassische Alternative.
Die wichtigste Entscheidung ist nicht der Anbietername. Die wichtigste Entscheidung ist dein System: ein günstiger Sparplan, klare Cash-Reserve, keine unnötigen Trades, sauberer Steuerüberblick. Dann ist der Broker Werkzeug und nicht Dauerbaustelle.
Was bedeutet das für Paare?
Für Paare stellt sich beim Neobroker-Vergleich eine andere Frage als für Singles: Sollen beide dasselbe Depot führen oder ergänzt ihr euch gezielt? Ein Partner mit Trade Republic (einfache ETF-Sparpläne, 2,00 % Cash-Zins) und einer mit Scalable Capital (2,50 % Tagesgeld, mehr Handelsplatzwahl) deckt sowohl den Einstieg als auch flexibleres Investieren ab — ohne dass ihr euch auf einen Anbieter festlegen müsst.
💡 Tipp für Paare: Klärt als Paar zuerst, welcher von euch eher spart und welcher aktiver handelt — dann passt ihr den Broker zum Ziel statt umgekehrt. Für das Gemeinschafts-Banking lohnt ein Blick auf bunq als Gemeinschaftskonto parallel zum Depot.
Quellen & weiterführende Links
- Scalable Capital: Broker-Kosten und Konditionen
- Trade Republic: Preisübersicht
- bunq: Preisliste
- BaFin: Einlagensicherung und Anlegerentschädigung
- Finanztip: EZB-Leitzins und Zinsentwicklung
- § 20 EStG: Kapitalerträge
- § 32d EStG: gesonderter Steuertarif für Einkünfte aus Kapitalvermögen
- § 43a EStG: Bemessung der Kapitalertragsteuer
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