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Ehevertrag Finanz Paare 2026: Güterrecht einfach erklärt

Paare & Finanzen
Ehevertrag Finanz Paare – Titelbild Finanzsplit

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Ehevertrag kann Paare finanziell schützen und Streitigkeiten vermeiden
  • Gütertrennung, Zugewinngemeinschaft und Gütergemeinschaft sind die drei Modelle
  • Notarielle Beurkundung ist Pflicht, Kosten ab ca. 300 Euro

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Ein Ehevertrag Finanz Paare ist für viele ein heikles Thema. Doch gerade wenn es um Geld geht, ist eine klare Absprache wichtiger als Romantik. Laut dem Statistischen Bundesamt heiraten in Deutschland jedes Jahr rund 400.000 Paare, aber nur etwa 10% schliessen einen Ehevertrag ab (Statistisches Bundesamt, 2024). Das ist riskant, denn im Scheidungsfall oder bei Erbschaft kann es zu erheblichen finanziellen Streitigkeiten kommen. Wer sich allgemein mit Paar-Finanzen beschäftigt, findet in unserem Ratgeber Lebensversicherung für Paare wichtige ergänzende Informationen. Auch unser Artikel zum ETF Sparplan hilft euch bei der langfristigen Vermögensplanung.

In diesem Artikel erklären wir euch die drei Gütermodelle, wann ein Ehevertrag sinnvoll ist und worauf ihr bei der Aufsetzung achten müsst. Zusätzlich zeigen wir euch Kosten, häufige Fehler und wie sich ein Ehevertrag auf eure Steuern auswirkt. Ausserdem behandeln wir spezielle Situationen wie Selbstständigkeit, Immobilienbesitz und internationale Ehen.

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Die drei Gütermodelle im Überblick

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Im deutschen Recht gibt es drei Wege, das Vermögen in der Ehe zu regeln. Wenn ihr nichts vereinbart, gilt automatisch die Zugewinngemeinschaft. Doch die ist nicht immer die beste Wahl.

Zugewinngemeinschaft (Standard)

Die Zugewinngemeinschaft ist das gesetzliche Güterecht, wenn ihr keinen Ehevertrag abschliesst. Jeder Partner behält sein eigenes Vermögen, das er vor der Ehe hatte oder während der Ehe erwarb. Im Scheidungsfall wird der Zugewinn ausgeglichen, also der Wertzuwachs während der Ehe. Der Partner mit dem höheren Zugewinn muss die Hälfte des Differenzbetrags an den anderen zahlen.

Das klingt fair, hat aber Nachteile. Bei Selbstständigen oder Unternehmern kann der Zugewinn schwer zu berechnen sein. Firmenanteile, die vor der Ehe gering und während der Ehe wertvoll wurden, können zu Streitigkeiten führen. Daher ist die Zugewinngemeinschaft nicht für alle Paare ideal.

Zudem gibt es bei der Zugewinngemeinschaft Ausgleichsbetrachtungen, die komplex sein können. Wenn ein Partner während der Ehe ein Haus kauft und der andere nicht, muss der Wertzuwachs ausgeglichen werden. Das kann im Scheidungsfall zu erheblichen Zahlungsverpflichtungen führen.

Gütertrennung

Bei der Gütertrennung bleibt das Vermögen jedes Partners getrennt. Es gibt keinen Zugewinnausgleich im Scheidungsfall. Das ist besonders sinnvoll, wenn ein Partner deutlich mehr Vermögen hat oder ein Unternehmen besitzt, das vor der Ehe gegründet wurde.

Allerdings ist die Gütertrennung nicht automatisch unfair. Sie schützt beide Partner, da jeder sein eigenes Vermögen behält. Bei gleichem Einkommen und ähnlichem Vermögen ist sie allerdings wenig relevant. Daher solltet ihr prüfen, ob sie für eure Situation passt.

Ein Nachteil der Gütertrennung ist, dass sie im Scheidungsfall keine Absicherung für den weniger verdienenden Partner bietet. Wenn einer von euch seine Karriere für die Familie zurückgestellt hat, steht er ohne Zugewinnausgleich schlechter da. Daher solltet ihr in diesem Fall über Ausgleichszahlungen oder Unterhaltsregelungen im Ehevertrag nachdenken.

Gütergemeinschaft

Bei der Gütergemeinschaft wird das gesamte Vermögen beider Partner gemeinsam. Das ist die radikalste Form und wird in Deutschland nur selten gewählt. Sie ist vor allem für Paare sinnvoll, die seit vielen Jahren zusammenleben und ein gemeinsames Vermögen aufbauen wollen.

Allerdings birgt die Gütergemeinschaft Risiken. Im Scheidungsfall muss das gesamte Vermögen geteilt werden, auch das, was vor der Ehe vorhanden war. Das kann zu erheblichen Verlusten führen, besonders wenn ein Partner ein geerbtes Haus oder Unternehmensanteile mit in die Ehe brachte.

Wann ist ein Ehevertrag sinnvoll?

Ein Ehevertrag ist nicht für jedes Paar nötig, aber in bestimmten Situationen dringend zu empfehlen. Wenn einer von euch ein Unternehmen besitzt, ein geerbtes Haus besitzt oder deutlich mehr Vermögen hat als der andere, ist ein Ehevertrag fast immer sinnvoll. Gleiches gilt für Selbstständige, Freiberufler und Paare mit internationaler Herkunft.

Ein weiterer wichtiger Grund für einen Ehevertrag ist die Absicherung von Kindern aus vorherigen Beziehungen. Wenn ihr Kinder aus einer früheren Ehe habt, wollt ihr sicherstellen, dass sie bei eurem Tod nicht leer ausgehen. Ein Ehevertrag kann regeln, dass bestimmte Vermögenswerte an die Kinder gehen, während der aktuelle Partner abgesichert bleibt.

Zudem kann ein Ehevertrag die Höhe des Unterhalts im Scheidungsfall regeln. Das gibt beiden Partnern Planungssicherheit. Allerdings dürfen Unterhaltsvereinbarungen nicht so niedrig sein, dass ein Partner in Bedürftigkeit geraten würde. Sonst kann das Gericht die Vereinbarung für unwirksam erklären.

Ein Ehevertrag ist zudem sinnvoll, wenn ihr ein Haus kauft, aber nur einer von euch die Anzahlung leistet. Der Vertrag kann regeln, dass die Anzahlung im Scheidungsfall zurückerstattet wird. Das vermeidet Streitigkeiten und schafft Klarheit.

Was kostet ein Ehevertrag?

Ein Ehevertrag muss notariell beurkundet werden. Die Kosten hängen vom Umfang der Regelungen und dem Notar ab. Für einen einfachen Ehevertrag mit Gütertrennung zahlt ihr ca. 300 bis 500 Euro. Bei komplexen Regelungen mit Unternehmensanteilen, Immobilien und internationalen Aspekten können die Kosten schnell 1.000 bis 2.000 Euro erreichen.

Die Notargebühren sind gesetzlich geregelt und richten sich nach dem Wert des Gegenstands. Für einfache Gütertrennungen sind die Gebühren niedrig, für komplexe Vermögensregelungen entsprechend höher. Ihr könnt die Kosten senken, indem ihr euch vorab gut vorbereitet und die wichtigsten Punkte bereits festlegt.

Zusätzlich solltet ihr die Kosten für eine anwaltliche Beratung einplanen. Jeder Partner sollte einen eigenen Anwalt konsultieren, um sicherzustellen, dass seine Interessen vertreten werden. Die Kosten für die anwaltliche Beratung liegen bei ca. 150 bis 300 Euro pro Partner.

Die 5 häufigsten Fehler beim Ehevertrag

  • Fehler 1: Keine anwaltliche Beratung – Jeder Partner sollte einen eigenen Anwalt haben, damit die Interessen beider Seiten vertreten werden. Lösung: Zwei separate Anwälte konsultieren.
  • Fehler 2: Zu ungenaue Formulierungen – Unklare Regelungen führen zu Streitigkeiten. Lösung: Konkrete Zahlen, Prozentsätze und Bedingungen festlegen.
  • Fehler 3: Kinder vergessen – Kinder aus vorherigen Beziehungen müssen berücksichtigt werden. Lösung: Erbregelungen und Vermögenszuordnung im Vertrag festhalten.
  • Fehler 4: Keine Anpassungsklausel – Lebensumstände ändern sich. Lösung: Regelmäßige Überprüfung und Anpassung vorsehen.
  • Fehler 5: Emotional abschliessen – Ein Ehevertrag sollte nicht im Streit oder unter Druck aufgesetzt werden. Lösung: In Ruhe besprechen, professionell begleiten lassen.

Diese Fehler sind leicht vermeidbar, wenn ihr professionell beraten lasst und genug Zeit für die Planung einplant. Daher lohnt es sich, den Ehevertrag nicht als lastige Pflicht, sondern als Investition in eure gemeinsame Zukunft zu sehen.

Wie wirkt sich der Ehevertrag auf die Steuern aus?

Der Ehevertrag kann erhebliche steuerliche Auswirkungen haben. Bei der Gütertrennung gibt es keinen Zugewinnausgleich, was im Scheidungsfall steuerlich günstig sein kann. Der Zugewinnausgleich selbst ist zwar steuerfrei, aber die damit verbundenen Vermögensverschiebungen können später bei Verkäufen Steuern auslösen.

Bei der Gütergemeinschaft werden Einkünfte gemeinsam versteuert. Das kann bei unterschiedlichen Einkommensniveaus günstig oder ungünstig sein. Für Paare mit sehr unterschiedlichen Einkommen ist die Zugewinngemeinschaft oft steuerlich optimal, da jeder sein eigenes Einkommen versteuert.

Zudem spielt der Ehevertrag bei der Erbschaftssteuer eine Rolle. Bei Gütertrennung bleiben die Vermögen getrennt, was die Erbfolge klarer regelt. Bei Zugewinngemeinschaft kann es komplizierter werden, wenn der Zugewinnausgleich und die Erbschaft gleichzeitig anfallen.

Daher ist es ratsam, einen Steuerberater zu konsultieren, bevor ihr den Ehevertrag abschliesst. Er kann euch zeigen, welches Güterecht für eure individuelle Situation steuerlich am günstigsten ist.

Ehevertrag und Immobilien: Was gilt beim Hauskauf?

Wenn ihr als Paar eine Immobilie kauft, ist der Ehevertag besonders wichtig. Ohne Vertrag gilt die Zugewinngemeinschaft, was bedeutet, dass der Wertzuwachs des Hauses im Scheidungsfall ausgeglichen werden muss. Das kann problematisch sein, wenn einer von euch die Anzahlung allein gestellt hat.

Im Ehevertrag könnt ihr regeln, dass die Anzahlung des einen Partners im Scheidungsfall zurückerstattet wird. Zudem könnt ihr festlegen, wie die laufenden Kosten wie Hypothekenzahlungen und Renovierungen aufgeteilt werden. Das schafft Klarheit und vermeidet Streitigkeiten.

Zusätzlich solltet ihr bedenken, dass ein Hauskauf oft mit einer Hypothek verbunden ist. Im Scheidungsfall muss geklärt werden, wer die Hypothek weiterbezahlt oder wie das Haus verkauft wird. Ein Ehevertrag kann diese Fragen im Voraus regeln.

Zudem gibt es bei der Gütertrennung die Möglichkeit, das Haus im Alleineigentum eines Partners zu halten. Das bedeutet, dass der andere Partner keinen Anspruch auf den Wertzuwachs hat. Allerdings solltet ihr dann auch die laufenden Kosten klar regeln.

Internationale Ehen: Welches Recht gilt?

Für Paare mit unterschiedlicher Staatsangehörigkeit oder die im Ausland leben, gibt es besondere Herausforderungen. Das anwendbare Recht hängt davon ab, wo ihr geheiratet habt und wo ihr euren gewöhnlichen Aufenthalt habt. In vielen Fällen gilt das Recht des Landes, in dem ihr euren ersten gemeinsamen Wohnsitz hattet.

Ein Ehevertrag kann regeln, welches Recht auf eure Ehe anwendbar ist. Das ist wichtig, wenn ihr in ein anderes Land zieht oder wenn eines von euch im Ausland Vermögen besitzt. Allerdings müssen die Regelungen mit dem anwendbaren Recht vereinbar sein.

Zudem solltet ihr prüfen, ob euer Ehevertrag im Ausland anerkannt wird. Nicht alle Länder erkennen deutsche Eheverträge an. Daher ist es ratsam, sich von einem Rechtsanwalt mit internationaler Erfahrung beraten zu lassen.

Für Paare, die in Deutschland leben, aber aus dem EU-Ausland stammen, gibt es die Möglichkeit, das Recht ihres Herkunftslandes zu wählen. Das kann steuerliche und erbrechtliche Vorteile bringen. Allerdings solltet ihr prüfen, ob das deutsche Gericht dieses Recht anwendet.

Ehevertrag und Selbstständigkeit: Was gilt für Unternehmer?

Für Selbstständige und Unternehmer ist ein Ehevertrag fast immer unverzichtbar. Denn das eigene Unternehmen ist oft der größte Vermögenswert, und ohne Vertrag gerät dieser im Scheidungsfall in Gefahr. Zunächst solltet ihr prüfen, ob ihr Gütertrennung wählen wollt, um das Unternehmen aus der Ehe herauszuhalten.

Bei der Zugewinngemeinschaft müsst ihr den Wertzuwachs des Unternehmens während der Ehe ausgleichen. Das kann problematisch sein, wenn das Unternehmen stark gewachsen ist. Daher empfehlen viele Rechtsanwälte Selbstständigen die Gütertrennung, um den Zugewinnausgleich zu vermeiden.

Zudem solltet ihr bedenken, dass der Ehevertrag auch Auswirkungen auf die Geschäftsführung haben kann. Wenn ihr als Paar ein Unternehmen führt, solltet ihr klären, wer im Scheidungsfall die Anteile behält. Ausserdem ist es wichtig, die Betriebsvermögen vom Privatvermögen zu trennen.

Jedoch ist Gütertrennung nicht immer die beste Lösung. Wenn beide Partner im Unternehmen arbeiten, kann ein Zugewinnausgleich gerechter sein. Daher solltet ihr eure individuelle Situation mit einem Fachanwalt besprechen.

Wie ändert man einen Ehevertrag nachträglich?

Ein Ehevertrag ist nicht in Stein gemeißelt. Ihr könnt ihn jederzeit ändern oder aufheben, solange beide Partner einverstanden sind. Dazu braucht ihr erneut eine notarielle Beurkundung. Zunächst solltet ihr besprechen, was sich geändert hat und warum eine Anpassung nötig ist.

Häufige Gründe für eine Änderung sind der Kauf einer Immobilie, die Geburt eines Kindes oder ein Berufswechsel. Wenn sich eure Vermögensverhältnisse erheblich ändern, solltet ihr den Vertrag anpassen. Daher ist es ratsam, den Ehevertrag alle paar Jahre zu überprüfen.

Zudem gibt es die Möglichkeit, einzelne Klauseln zu ändern, ohne den gesamten Vertrag neu aufzusetzen. Das spart Kosten und Zeit. Allerdings müssen auch Änderungen notariell beurkundet werden, damit sie wirksam sind.

Bei der Aufhebung des Ehevertrags gilt automatisch wieder die Zugewinngemeinschaft. Das kann erhebliche steuerliche und finanzielle Folgen haben. Daher solltet ihr eine Aufhebung sorgfältig planen und professionell begleiten lassen.

Ehevertrag und Erbschaft: Wie sichert ihr eure Kinder ab?

Wenn ihr Kinder aus vorherigen Beziehungen habt, ist der Ehevertrag ein wichtiges Instrument zur Absicherung. Ohne Vertrag kann es passieren, dass der aktuelle Partner alles erbt und die Kinder leer ausgehen. Zunächst solltet ihr prüfen, welche Vermögenswerte ihr an eure Kinder weitergeben wollt.

Im Ehevertrag könnt ihr regeln, dass bestimmte Vermögenswerte, etwa ein geerbtes Haus, an die Kinder gehen. Der aktuelle Partner kann zudem ein Nießbrauchsrecht erhalten. Das bedeutet, dass er das Haus nutzen kann, aber die Eigentümer sind die Kinder.

Zudem solltet ihr bedenken, dass der Ehevertrag die erbrechtlichen Regelungen ergänzen kann. Ein Testament ist weiterhin nötig, aber der Ehevertrag kann Rahmenbedingungen setzen. Daher ist die Kombination aus Ehevertrag und Testament für viele Paare optimal.

Jedoch solltet ihr auch die Steuern im Blick behalten. Schenkungen und Erbschaften zwischen Ehepartnern sind bis 500.000 Euro steuerfrei. Für Kinder gilt ein niedrigerer Freibetrag. Daher lohnt es sich, einen Steuerberater einzubeziehen.

Ehevertrag und Scheidung: Was passiert wirklich?

Viele Paare schliessen einen Ehevertrag ab, um den Scheidungsfall zu regeln. Doch was passiert wirklich, wenn die Ehe geschieden wird? Zunächst gilt: Der Ehevertrag hat Vorrang vor dem gesetzlichen Güterecht. Das bedeutet, dass das Gericht die Regelungen des Vertrags anwendet.

Bei Gütertrennung bleibt das Vermögen getrennt. Jeder Partner behält, was ihm gehört. Es gibt keinen Zugewinnausgleich. Das ist für den Partner mit mehr Vermögen günstig, aber der andere Partner geht möglicherweise leer aus. Daher solltet ihr fair regeln, was im Trennungsfall passiert.

Bei Zugewinngemeinschaft wird der Wertzuwachs während der Ehe ausgeglichen. Der Ehevertrag kann jedoch Regelungen dazu treffen, welche Vermögenswerte in den Zugewinn einfließen. Beispielsweise können ihr vereinbaren, dass ein geerbtes Haus nicht in den Zugewinn einbezogen wird.

Zudem kann der Ehevertrag Unterhaltsregelungen enthalten. Allerdings gibt es hier Grenzen. Ein Gericht kann eine Unterhaltsvereinbarung für unwirksam erklären, wenn sie unangemessen niedrig ist. Daher solltet ihr realistische Beträge festlegen.

Ausserdem regelt der Ehevertrag oft den Hausrat und die Schulden. Wer behält das gemeinsame Auto? Wer bezahlt die gemeinsame Hypothek? Diese Fragen solltet ihr im Vertrag klären, um Streitigkeiten zu vermeiden.

Zuletzt solltet ihr wissen, dass ein Ehevertrag nicht alles regeln kann. Sorgerecht und Umgangsrecht für Kinder sind davon ausgenommen. Diese Fragen werden immer nach dem Wohl des Kindes entschieden.

Ehevertrag und gemeinsame Kredite: Wer haftet für was?

Wenn ihr gemeinsam einen Kredit aufgenommen habt, ist der Ehevertrag besonders wichtig. Bei Gütertrennung bleibt die Haftung grundsätzlich beimjenigen, der den Kredit aufgenommen hat. Bei Zugewinngemeinschaft kann es komplizierter werden, da der Zugewinnausgleich auch Schulden umfassen kann.

Zunächst solltet ihr prüfen, auf wessen Namen der Kredit läuft. Wenn beide unterschrieben haben, haftet ihr solidarisch. Das bedeutet, dass der Gläubiger von jedem von euch die volle Summe fordern kann. Im Ehevertrag könnt ihr jedoch regeln, wie ihr die Schulden untereinander aufteilt.

Zudem solltet ihr bedenken, dass ein Scheidungsvergleich oft notwendig ist, wenn gemeinsame Schulden bestehen. Der Ehevertrag kann hier eine Basis schaffen, aber die konkrete Aufteilung wird oft im Scheidungsverfahren verhandelt. Daher ist es ratsam, diese Fragen früh zu klären.

Ausserdem gibt es bei der Gütertrennung die Möglichkeit, Schulden klar einem Partner zuzuordnen. Beispielsweise kann der Vertrag festlegen, dass ein Studienkredit, den ein Partner vor der Ehe hatte, allein von diesem getragen wird. Das schützt den anderen Partner vor unerwarteten Zahlungsverpflichtungen.

Jedoch solltet ihr wissen, dass ein Ehevertrag keine Auswirkungen auf Dritte hat. Der Kreditgeber kann weiterhin von beiden Partnern verlangen, wenn beide unterschrieben haben. Der Ehevertrag regelt nur die Verhältnisse untereinander, nicht gegenüber Gläubigern.

Bei Immobilienkrediten ist die Regelung besonders wichtig. Wenn ihr gemeinsam eine Wohnung oder ein Haus finanziert, sollte der Ehevertrag klarstellen, wer welchen Anteil besitzt und wie die Tilgung erfolgt. Das verhindert Streitigkeiten, falls sich die Beziehung ändert oder ein Partner früher ausscheiden möchte.

Ausserdem empfiehlt es sich, Konten und Kreditkarten im Ehevertrag zu adressieren. Gemeinsame Girokonten erleichtern die Haushaltsführung, aber bei Trennung kann es schwierig werden, Geld zurückzufordern. Eindeutige Regelungen im Vertrag schaffen hier Klarheit und vermeiden lästige Rückfragen.

Zudem solltet ihr bedenken, dass ein Ehevertrag auch die Verwendung von Lebensversicherungen oder Riester-Verträgen betreffen kann. Wenn diese Policen als Kreditsicherheit dienen, ist es wichtig, dass der Vertrag regelt, was bei Scheidung oder Tod mit den Verträgen geschieht. So schützt ihr eure Absicherung und die eures Partners.

Schliesslich solltet ihr wissen, dass ein Ehevertrag auch für nichteheliche Lebensgemeinschaften möglich ist. Allerdings gelten hier andere gesetzliche Rahmenbedingungen. Ein Partnerschaftsvertrag kann ähnliche Regelungen treffen und ist oft die bessere Wahl für unverheiratete Paare.

Fazit: Ein Ehevertrag ist keine Liebeskrise, sondern Planung

Ein Ehevertrag Finanz Paare ist keine Anzeichen für mangelndes Vertrauen, sondern für vernünftige Planung. Er schützt beide Partner und schafft Klarheit für den Fall der Fälle. Daher ist er für viele Paare eine sinnvolle Investition, die im Ernstfall viel Geld und Nerven spart. Gerade wenn ihr gemeinsame Kredite oder Immobilien besitzt, lohnt sich die rechtliche Klarheit frühzeitig. Zudem könnt ihr den Vertrag jederzeit anpassen, wenn sich eure Lebenssituation ändert. Das macht ihn flexibel und zukunftssicher für eure Partnerschaft und eure gemeinsamen finanziellen Ziele beide.

Fangt früh an: Besprecht eure finanzielle Situation, konsultiert einen Notar und lasst euch anwaltlich beraten. Die Kosten für einen Ehevertrag sind ein Bruchteil dessen, was ein Streit im Scheidungsfall oder bei Erbschaft kosten kann. Zudem solltet ihr den Vertrag regelmäßig überprüfen und anpassen.

Wenn ihr euch unsicher fühlt, sucht professionelle Hilfe. Ein Notar und ein Anwalt können euch helfen, den richtigen Güterecht zu wählen und alle wichtigen Aspekte abzudecken. Die Investition in eine gute Beratung zahlt sich langfristig aus.

Häufige Fragen zum Ehevertrag für Paare

Brauchen verheiratete Paare einen Ehevertrag?

Nicht zwingend, aber in vielen Fällen sinnvoll. Wenn ihr ein Unternehmen besitzt, ein geerbtes Haus habt oder unterschiedliche Vermögen mitbringt, ist ein Ehevertrag dringend zu empfehlen. Auch bei internationalen Ehen oder Kindern aus vorherigen Beziehungen ist er ratsam. Ohne Ehevertrag gilt automatisch die Zugewinngemeinschaft.

Was kostet ein Ehevertrag beim Notar?

Ein einfacher Ehevertrag kostet ab ca. 300 Euro notariell beurkundet. Bei komplexen Regelungen mit Immobilien oder Unternehmensanteilen können die Kosten 1.000 bis 2.000 Euro erreichen. Zusätzlich solltet ihr ca. 150 bis 300 Euro pro Partner für anwaltliche Beratung einplanen.

Welches Güterecht ist für Paare am besten?

Das hängt von eurer Situation ab. Die Zugewinngemeinschaft ist fair, aber komplex. Gütertrennung schützt vorhandenes Vermögen. Gütergemeinschaft ist nur für wenige Paare sinnvoll. Am besten beratet ihr euch mit einem Notar und Anwalt, um das optimale Modell zu finden.

Kann man einen Ehevertrag nachträglich abschliessen?

Ja, ein Ehevertrag kann jederzeit während der Ehe abgeschlossen oder geändert werden. Allerdings ist es ratsam, dies früh zu tun, da sich die Vermögensverhältnisse im Laufe der Zeit verändern. Je früher ihr euch einigt, desto einfacher ist die Regelung.

Wie wirkt sich der Ehevertrag auf die Steuern aus?

Der Ehevertrag hat steuerliche Auswirkungen bei der Einkommensbesteuerung und der Erbschaftssteuer. Gütertrennung kann steuerlich günstig sein, wenn es um Vermögensverschiebungen geht. Zugewinngemeinschaft ist oft optimal bei unterschiedlichen Einkommen. Ein Steuerberater kann euch hier beraten.

Was passiert mit dem Ehevertrag bei Scheidung?

Der Ehevertrag regelt genau, was bei Scheidung passiert. Bei Gütertrennung gibt es keinen Zugewinnausgleich. Bei Zugewinngemeinschaft wird der Zugewinn ausgeglichen. Der Vertrag kann zudem Unterhaltsregelungen und Regelungen zum Hausrat enthalten. Ein gut gemachter Vertrag vermeidet Streitigkeiten.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt: Eheschliessungen und Eheverträge in Deutschland 2024. https://www.destatis.de
  2. Paragraf 1400 BGB – Güterstand, Zugewinngemeinschaft. Online: www.gesetze-im-internet.de
  3. Paragraf 1414 BGB – Gütertrennung. Verfügbar unter: www.gesetze-im-internet.de
  4. Paragraf 1416 BGB – Gütergemeinschaft. Quelle: www.gesetze-im-internet.de
  5. Bundesnotarkammer: Ratgeber Ehevertrag. https://www.bnotk.de
  6. Deutscher Anwaltsverein: Ehevertrag und Güterrecht. https://www.anwalt.de

Zuletzt aktualisiert: Juni 2026

Tino Dagba

Über den Autor

Tino Dagba

Ich bin Tino Dagba, Gründer von FinanzSplit – BWL-Absolvent und seit über neun Jahren im Bankenwesen (aktuell ING, zuvor Deutsche Bank). Ich bin kein Finanzberater, sondern jemand, der ein eigenes Problem gelöst hat: Wie teilen zwei Menschen, die unterschiedlich viel verdienen, ihr Geld fair auf? Die Antwort habe ich über 15 Jahre mit meiner Partnerin Laura entwickelt, in meinem Buch „Nie wieder Geldstreit“ aufgeschrieben und zu FinanzSplit gemacht. Meine Artikel sind sorgfältig recherchierte Orientierung, keine individuelle Beratung.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung im Sinne des WpHG dar. Alle genannten Produkte, Broker und Strategien wurden redaktionell unabhängig recherchiert. Bitte konsultiere vor Anlageentscheidungen einen zugelassenen Finanzberater.